Kants Definition
„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.“ Mit diesem Satz eröffnete Immanuel Kant 1784 seinen Aufsatz Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? Unmündigkeit heisst dabei die Unfähigkeit, sich seines Verstandes ohne Anleitung eines anderen zu bedienen; selbstverschuldet, weil ihre Ursache nicht in Mangel an Vernunft, sondern in Mangel an Mut und Entschluss liegt. Kants Wahlspruch der Aufklärung: sapere aude — wage zu wissen.
Ein europäisches Ereignis
Die Aufklärung war keine deutsche, sondern eine europäische Bewegung: mit unterschiedlichen Schwerpunkten in Schottland (Hume, Smith), Frankreich (Voltaire, Diderot, Rousseau), England, den Niederlanden und Deutschland. Ihre gemeinsamen Themen: die Kritik der überkommenen Autoritäten, die Idee natürlicher Rechte, die Trennung von Kirche und Staat, das Vertrauen in Bildung und Wissenschaft.
Ambivalenz
Die Aufklärung ist bis heute Referenzpunkt und Streitgegenstand. Max Horkheimer und Theodor W. Adorno haben in der Dialektik der Aufklärung (1944) argumentiert, dass die Aufklärung selbst in Herrschaft umschlägt, wenn Vernunft nur noch als Instrument zur Beherrschung der Natur verstanden wird. Andere haben die Bewegung gegen diese Kritik verteidigt: Die Aufklärung habe die Werkzeuge für ihre eigene Selbstkorrektur geliefert.