Antike Wurzeln
Für Platon war Dialektik das Gespräch, in dem gegensätzliche Behauptungen aneinander geprüft werden, bis eine Einsicht sichtbar wird. Aristoteles unterschied sie von der strengen Beweisführung: Sie arbeite nicht mit gewissen, sondern mit wahrscheinlichen Prämissen.
Hegel
Ihre umfassendste Ausarbeitung erhielt die Dialektik bei Georg Wilhelm Friedrich Hegel. In seiner Wissenschaft der Logik (1812–1816) entwickelt er sie als Bewegung des Denkens selbst: Jeder Begriff enthält den Widerspruch zu sich selbst, und aus der Bearbeitung dieses Widerspruchs geht ein höherer, umfassenderer Begriff hervor. Die berühmte Formel „These – Antithese – Synthese“ stammt allerdings nicht von Hegel; sie ist eine spätere Vereinfachung.
Kritische Fortsetzungen
Karl Marx wandte die Dialektik auf die materiellen Verhältnisse an. Theodor W. Adorno entwickelte in der Negativen Dialektik (1966) eine Fassung, die auf die versöhnende Synthese verzichtet: Der Widerspruch bleibt bestehen, weil die Wirklichkeit selbst widersprüchlich ist. Denken, das dies nicht anerkennt, gleicht die Welt an sich selbst an, statt sie zu verstehen.