Herkunft
Der Begriff leitet sich vom griechischen hermēneuein („auslegen“, „übersetzen“) ab, verwandt mit dem Namen des Götterboten Hermes. Als disziplinäre Bezeichnung setzte sich das Wort im 17. Jahrhundert durch, zunächst als Kunstlehre der Bibelauslegung, dann des Rechts und der Philologie.
Klassische Positionen
Friedrich Schleiermacher formulierte Anfang des 19. Jahrhunderts eine allgemeine Hermeneutik: Die Kunst des Verstehens sei überall gleich, ob man Bibel, Gesetz oder Gedicht auslegt. Wilhelm Dilthey erweiterte den Ansatz zur Methodologie der Geisteswissenschaften. Hans-Georg Gadamer schliesslich radikalisierte in Wahrheit und Methode (1960) die Hermeneutik zur Philosophie: Verstehen sei kein Verfahren neben anderen, sondern die grundlegende Weise, in der wir überhaupt in einer Welt sind.
Grundgedanken
Zentral ist der hermeneutische Zirkel: Das Ganze wird nur aus den Teilen verständlich, die Teile nur aus dem Ganzen. Ebenso wichtig ist die Einsicht, dass Verstehen immer schon vom Vorverständnis lebt — und dass Vorurteile nicht schlicht Fehler, sondern die Bedingung dafür sind, überhaupt etwas verstehen zu können.