Renaissance-Humanismus
Der Humanismus entstand im Italien des 14. und 15. Jahrhunderts als Bewegung, die die Wiederentdeckung antiker Texte in den Mittelpunkt der Bildung stellte. Francesco Petrarca gilt als sein Gründungsfigur; Erasmus von Rotterdam als seine europäisch wirksamste Gestalt. Zentral war das Studium der studia humanitatis: Grammatik, Rhetorik, Geschichte, Poesie, Moralphilosophie — Fächer, die den Menschen als Menschen bilden sollten.
Bildungsideal
Der neuhumanistische Aufbruch um 1800, verbunden mit Wilhelm von Humboldt, machte diese Idee zur Grundlage des modernen deutschen Gymnasiums und der reformierten Universität. Bildung bedeutete hier nicht Berufsvorbereitung, sondern die Entfaltung der menschlichen Kräfte. Humboldt formulierte 1809 in seinem Königsberger Schulplan die Idee einer allgemeinen Menschenbildung, die jedem eigen sein sollte.
Kritik und Fortdauer
Der Humanismus ist im 20. Jahrhundert wiederholt kritisiert worden: als eurozentrisch, als abstrakt, als Verdeckung realer Machtverhältnisse. Zugleich hat er sich als überraschend widerstandsfähig erwiesen. Sein Grundanspruch — dass der Mensch nicht auf seine Funktionen reduziert werden darf — bleibt ein Bezugspunkt, auch wo er umformuliert wird.