Ein Begriff mit Sonderstellung
Anders als „Antike“ oder „Mittelalter“ ist „Moderne“ kein rückblickend eingeführter Ordnungsbegriff. Er wurde von den Zeitgenossen selbst geprägt, um sich von der Vergangenheit abzusetzen. Schon im späten 18. Jahrhundert sprach man von den „Modernen“ in Abgrenzung zu den „Alten“. Der Begriff enthält die These, dass unsere Gegenwart etwas grundsätzlich Anderes ist als das, was vor ihr war.
Datierungen
Wann die Moderne beginnt, ist umstritten. Verbreitete Datierungsvorschläge sind: 1789 (Französische Revolution), 1848 (Revolutionen und Bürgergesellschaft), 1900 (kulturelle und ästhetische Moderne). Reinhart Koselleck verortete den Übergang zur Moderne in einer „Sattelzeit“ zwischen 1750 und 1850, in der sich Zeit- und Zukunftserfahrung fundamental wandeln.
Merkmale
Charakteristisch für die Moderne sind: die Beschleunigung sozialer Veränderungen, die Ausdifferenzierung von Wissenschaft, Recht, Wirtschaft und Kunst in eigenständige Sphären, das Vertrauen in Fortschritt sowie die zunehmende Reflexivität — die Fähigkeit einer Gesellschaft, sich selbst zum Gegenstand zu machen. Diese Reflexivität schlägt in der Postmoderne des späten 20. Jahrhunderts in Selbstzweifel um.