Kein einheitliches Programm
„Die Romantik“ zu definieren ist schwierig, weil die Bewegung selbst gegen scharfe Definitionen protestierte. Sie umfasst so unterschiedliche Figuren wie Novalis, die Brüder Schlegel, E. T. A. Hoffmann, William Wordsworth, Samuel Taylor Coleridge, Victor Hugo, Alexander Puschkin. Gemeinsam ist ihnen ein Misstrauen gegen die Reduzierung der Welt auf das rational Erklärbare — und ein Interesse an dem, was jenseits davon liegt: dem Traum, dem Volkslied, dem Mittelalter, dem Ich in seiner Unergründlichkeit.
Progressive Universalpoesie
Friedrich Schlegel definierte im 116. Athenäumsfragment die romantische Poesie als „progressive Universalpoesie“ — eine Kunst, die alle Gattungen mischen, alle Bereiche des Lebens ergreifen und niemals fertig sein könne. In dieser Formel liegt das ganze Programm: Die Romantik ist keine feste Form, sondern ein Prinzip der Grenzüberschreitung.
Nachwirkung
Die Romantik hat die moderne Vorstellung von Kunst wesentlich geprägt: dass sie autonom sei, dass sie eigene Erkenntnis leiste, dass der Künstler eine besondere Erfahrung habe. Zugleich hat sie eine Reihe problematischer Erbschaften hinterlassen — die Verklärung des Volkes, den Kult der Innerlichkeit, die Verachtung der Bürgerlichkeit. Ihre Geschichte ist deshalb bis heute Gegenstand kontroverser Deutungen.