Sprachwissenschaftlicher Ursprung
Der Strukturalismus geht auf Ferdinand de Saussure zurück, dessen posthum veröffentlichter Cours de linguistique générale (1916) das Sprachsystem als Netz von Unterschieden verstand. Ein sprachliches Zeichen habe nicht deshalb Bedeutung, weil es auf einen Gegenstand verweise, sondern weil es sich von anderen Zeichen unterscheidet. Bedeutung entstehe im System, nicht in der Beziehung zur Welt.
Ausweitung
In den 1950er und 1960er Jahren wurde dieser Ansatz auf andere Bereiche übertragen: von Claude Lévi-Strauss auf die Anthropologie (Verwandtschaftssysteme, Mythen), von Roland Barthes auf Literatur und Kultur, von Jacques Lacan auf die Psychoanalyse. Die gemeinsame Überzeugung: Menschliche Bedeutungsordnungen sind strukturiert wie eine Sprache.
Wirkung und Grenzen
Der Strukturalismus hat die Geisteswissenschaften nachhaltig geprägt, auch dort, wo er längst überholt scheint. Seine Grenzen zeigten sich in den Debatten des Poststrukturalismus (Derrida, Foucault), die betonten, dass Strukturen selbst nicht stillstehen, dass sie Geschichte haben und dass Macht in ihnen wirkt. Doch die Grundeinsicht — dass wir immer schon in Zeichensystemen leben — ist seither nicht mehr rückgängig gemacht worden.