Kunstgeschichte
Die historische und interpretierende Wissenschaft vom Bild — vom Werk, vom Sehen, von der visuellen Kultur.
Was sie ist
Kunstgeschichte untersucht Werke der bildenden Kunst und andere visuelle Objekte in ihrer historischen Bedingtheit, ihrer formalen Beschaffenheit und ihrer Bedeutung. Sie fragt, was Bilder tun, wie sie gemacht sind, wofür sie verwendet wurden und wie sie unser Sehen prägen.
Zentrale Fragen
- Wie ist ein Werk gemacht, und welche Wahl liegt jedem Detail zugrunde?
- In welchem historischen Kontext ist es entstanden und wofür?
- Wie lässt sich sein Bedeutungsgehalt rekonstruieren?
- Welche Traditionen greift es auf, welche eröffnet es?
- Wie verhält sich Kunst zu anderen Formen von Bildlichkeit?
Methoden
Klassische Verfahren sind die Stilanalyse (Wölfflin), die Ikonografie und Ikonologie (Warburg, Panofsky), die Werktreue Analyse einzelner Objekte. Erweitert wurde die Disziplin um Sozialgeschichte der Kunst, Bildwissenschaft, Materialgeschichte, gender- und postkolonial informierte Analysen sowie um digitale Bildforschung.
Kanonische Debatten
Umstritten sind seit langem der Kanon (welche Werke werden erforscht?), das Verhältnis von Kunstgeschichte und allgemeiner Geschichte, die Rolle nicht-westlicher Kunsttraditionen, der Umgang mit kolonial erworbenen Objekten in Museen und die Frage, ob Kunstgeschichte eine Wissenschaft der Werke oder der Bilder überhaupt sein sollte.
Wichtige Denkerinnen und Denker
- Heinrich Wölfflin
- Aby Warburg
- Erwin Panofsky
- Ernst Gombrich
- Meyer Schapiro
- Svetlana Alpers
- Hans Belting
- T. J. Clark
Weiterführend
- Bilder, die denken — Essay