Geisteswissenschaft
Disziplin IV

Sprachwissenschaft

Die systematische Erforschung menschlicher Sprache in ihrer Struktur, Vielfalt und Geschichte.

Was sie ist

Sprachwissenschaft — Linguistik — untersucht Sprache als System, als Fähigkeit und als soziale Praxis. Sie umfasst die Analyse einzelner Sprachen ebenso wie die Frage nach den Prinzipien, die allen Sprachen gemeinsam sind. Sie steht an der Schnittstelle zwischen Geistes-, Sozial- und Kognitionswissenschaften.

Zentrale Fragen

  • Wie ist eine Sprache aufgebaut — Laute, Wörter, Sätze?
  • Wie verändern sich Sprachen historisch?
  • Was ist allen Sprachen gemeinsam, worin unterscheiden sie sich?
  • Wie erwerben Kinder ihre Sprache?
  • Wie hängt Sprache mit Denken und mit Gesellschaft zusammen?

Methoden

Die Disziplin arbeitet mit Feldforschung an bislang unbeschriebenen Sprachen, mit Korpusanalyse, mit experimenteller Psycholinguistik, mit historischer Rekonstruktion und mit formalen Theorien der Grammatik. Die Grenze zur Kognitionswissenschaft ist fliessend, ebenso die zur Anthropologie und zur Soziologie.

Kanonische Debatten

Klassisch ist der Gegensatz zwischen strukturalistischen und generativen Ansätzen, zwischen Ferdinand de Saussure und Noam Chomsky. Neuere Debatten betreffen die Universalitätsannahmen der generativen Grammatik, die Rolle sozialer Kontexte im Sprachwandel, den Status bedrohter Sprachen und die linguistischen Implikationen grosser Sprachmodelle.

Wichtige Denkerinnen und Denker

  • Wilhelm von Humboldt
  • Ferdinand de Saussure
  • Roman Jakobson
  • Noam Chomsky
  • William Labov
  • Eve Clark
  • Nick Evans
  • Anna Wierzbicka

Weiterführend