Geschichte
Die Wissenschaft von der zeitlichen Erfahrung des Menschen — kritisch, quellengebunden, immer auch politisch.
Was sie ist
Geschichte als Wissenschaft ist die methodisch geordnete Beschäftigung mit dem, was war, in der Annahme, dass es uns etwas darüber sagt, wer wir sind. Sie untersucht Ereignisse, Strukturen und Prozesse in ihrer zeitlichen Bedingtheit — und macht sich selbst zur Aufgabe, das Vergangene nicht mit dem Gegenwärtigen zu verwechseln.
Zentrale Fragen
- Wie hat sich etwas entwickelt und warum gerade so?
- Welche Handlungsspielräume hatten die Akteure — und welche nicht?
- Was zeigen die Quellen, was verbergen sie?
- Wie hängen Ereignisgeschichte und Strukturgeschichte zusammen?
- Wie verhält sich Erinnerung zu Geschichte?
Methoden
Grundoperation ist die Quellenkritik: die Prüfung eines historischen Zeugnisses auf seine Herkunft, seinen Zweck und seine Verlässlichkeit. Ergänzend arbeiten Historiker mit Statistik, Bildanalyse, Oral History, mit computergestützten Verfahren und mit Vergleichen zwischen Regionen und Zeiten. Die Darstellung selbst — narrativ oder analytisch — ist Teil der methodischen Entscheidung.
Kanonische Debatten
Zentrale Debatten der letzten Jahrzehnte betrafen die Wende zur Kultur- und Alltagsgeschichte (weg von Politik und Wirtschaft), die globale Geschichte (gegen die Fixierung auf Nationalstaaten), die Verflechtungsgeschichte kolonialer und postkolonialer Räume, sowie die Frage, ob Geschichte eine erzählende Kunst oder eine analytische Wissenschaft ist.
Wichtige Denkerinnen und Denker
- Thukydides
- Leopold von Ranke
- Jacob Burckhardt
- Marc Bloch
- Fernand Braudel
- Reinhart Koselleck
- Natalie Zemon Davis
- Christopher Bayly
Weiterführend
- Die Ordnung der Vergangenheit — Essay
- Moderne — Begriff