Geisteswissenschaft
Disziplin VI

Kulturwissenschaft

Eine junge, interdisziplinäre Wissenschaft — von symbolischen Ordnungen, kulturellen Praktiken und ihrer Geschichte.

Was sie ist

Die Kulturwissenschaft in ihrer heutigen Form ist ein Kind der letzten Jahrzehnte. Sie versteht Kultur nicht als abgrenzbaren Bereich neben Wirtschaft und Politik, sondern als Dimension menschlichen Handelns überhaupt — als das Netz von Bedeutungen, in dem soziales Leben stattfindet. Sie arbeitet zwischen den älteren Fächern und nutzt deren Methoden.

Zentrale Fragen

  • Wie stellen Gesellschaften Bedeutung her und weiter?
  • Welche Praktiken formen kollektive Identitäten?
  • Wie werden Erinnerung, Wissen und Werte kulturell weitergegeben?
  • Wie prägen Medien die Wahrnehmung von Welt?
  • Wie hängen Kultur und Macht zusammen?

Methoden

Die Kulturwissenschaft ist methodisch pluralistisch. Sie greift auf ethnografische Beschreibung (nach Clifford Geertz „dichte Beschreibung“), historische Diskursanalyse, Semiotik, Medientheorie, oral history und statistische Verfahren zurück. Ihre Stärke liegt weniger in einer eigenen Methode als in der Fähigkeit, Gegenstände quer zu den älteren Fächern zu bearbeiten.

Kanonische Debatten

Zentrale Streitpunkte betreffen den Kulturbegriff selbst (essentialistisch oder praxistheoretisch?), das Verhältnis zur älteren Kulturgeschichte, die Beziehung zu den Cultural Studies britischer Prägung und die Frage, ob interdisziplinäre Arbeit die Wissenschaftlichkeit der Disziplin schwächt oder gerade auszeichnet.

Wichtige Denkerinnen und Denker

  • Ernst Cassirer
  • Aby Warburg
  • Clifford Geertz
  • Stuart Hall
  • Aleida Assmann
  • Hartmut Böhme
  • Doris Bachmann-Medick
  • Andreas Reckwitz

Weiterführend