Geisteswissenschaft
Disziplin III

Literaturwissenschaft

Die Wissenschaft der literarischen Texte — ihrer Formen, ihrer Geschichte, ihrer Wirkung.

Was sie ist

Literaturwissenschaft studiert Texte, die sich als literarisch verstehen oder verstanden werden können. Sie fragt nach ihrer sprachlichen Form, ihrer historischen Situation, ihren Gattungen, ihrer Aufnahme durch Leserinnen und Leser. Sie ist Philologie und Interpretation zugleich: Sicherung des Wortlauts und Auslegung des Sinns.

Zentrale Fragen

  • Was macht einen Text zu einem literarischen Text?
  • Wie ist ein bestimmtes Werk gebaut, welche Verfahren nutzt es?
  • In welcher Tradition steht es, welche eröffnet es?
  • Wie hängt Literatur mit Geschichte, Gesellschaft, Ideologie zusammen?
  • Was tun Leserinnen und Leser mit Texten?

Methoden

Klassisch sind die Editionsphilologie, die Formanalyse (Erzähltheorie, Metrik, Rhetorik), die historische Kontextualisierung, die Rezeptionsgeschichte. Neuere Ansätze umfassen digitale Methoden (distant reading), Gender- und postkoloniale Analysen, ökologische Literaturwissenschaft. Die Werkanalyse bleibt in allen Ansätzen zentrale Übung.

Kanonische Debatten

Umstritten sind seit langem der Begriff des literarischen Kanons, das Verhältnis zwischen Text und Kontext, der Status der Autorintention (Roland Barthes: „Der Tod des Autors“), die Rolle politischer Perspektiven in der Interpretation und die Frage, ob Literaturwissenschaft primär eine historische oder eine ästhetische Disziplin sein sollte.

Wichtige Denkerinnen und Denker

  • Erich Auerbach
  • Northrop Frye
  • Roland Barthes
  • Mikhail Bakhtin
  • Peter Szondi
  • Wolfgang Iser
  • Elaine Showalter
  • Franco Moretti

Weiterführend